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Inlinehockey-WM 2004, Bad Tölz

10.07.04 Hi, der erste Tag bei der Inlinehockey-Weltmeisterschaft in Bad Tölz ist überstanden. Gestern lief das letzte Qualifikationsspiel, um den 16. Startplatz bei der WM, Belgien setzte sich mit 10:7 gegen Taiwan durch. Die Stimmung in der Arena hielt sich noch Grenzen, was aber durchaus natürlich ist, denn die eigentliche WM beginnt erst heute, mit dem Highlight, Finnland als amtierender Weltmeister gegen die Deutschen.
Unserem Team werden aber leider nur Aussenseiterchancen eingeräumt, da wegen des World Cups leider keine aktuellen DEL-Spieler dabei sein werden. Von Seiten der Veranstalter hofft man, dass die zu erwartenden Siege der Skandinavier, welche zum Grossteil mit Eishockey-Profis anreisen, nicht zu hoch ausfallen, da die Finnen im letzten Jahr ihre Siege in Nürnberg ausgiebigst mit Alkohol feierten. Dieses wirkte sich dann ziemlich zerstörend auf die Einrichtung der Arena und der Team-Busse aus.

11.07.04 Bei vollem Bewusstsein sah ich heute zwei Spiele, zuerst: Japan gegen Belgien. Das Spiel war nicht so gut besucht, da es in der Trainingshalle stattfand. Vor dem Spiel schon das erste Highlight, die japanische Mannschaft hattte eine Art Priesterin dabei, welche vor dem Anpfiff erstmal die Spieler mittels Räucherstäbchen segnete.
10 Sekunden nach Spielbeginn die erste Aktion des belgischen Goalies, aber nach ca. zwei Minuten 1:0 für Belgien, alles rechnete mit einer Klatsche für die Söhne Nippons, aber ab der 5. Minute spielte sich eigentlich alles vor dem Belgischen Tor ab, und oft genug auch im Tor. Durch viele unnötige Strafen brachten sich die Belgier selber in die Defensive, und so stand es beim Schlusspfiff dann 16:3 für Japan.
Zum Mittag hatte ich übrigens in Vorfreude auf das Spiel schon Sushi und Weissbier genossen. Dann schnell rüber in Halle 1: Deutschland : Tschechien
Deutschland dann doch mit zwei DEL-Spielern, eine kleine Nürnberger Fraktion: Felix Petermann und Thomas Greilinger, welcher jetzt aber noch nach Mannheim wechselt. Zum Spiel: technisch und körperlich, das ganze natürlich noch schöner anzusehen als das erste Spiel, mit 1800 Zuschauern auch Stimmung in der Halle. Erstmal stechen auf beiden Seiten die Wahnsinns-Leistungen der Goalies ins Auge. Für Deutschland übrigens Leo Conti im Kasten, einigen bestimmt ein Begriff - beide Torhüter retten das eine ums andere Mal in bestem Eishockey-Style.
Für keine Mannschaft direkte Vorteile erkennbar, es wogt hin und her, was die Tschechen an Technik zeigen, gleichen die Deutschen aus mit Körpereinsatz. Nach zwei Vierteln steht es 3:2 für uns. In der Pause unterhielt ich mich dann kurz mit Florian Leitner vom deutschen Team. Er erklärte mir, dass sie den Sieg in der Tasche hätten, also alles bestens und kein Grund zur Sorge.
Es ging dann auch flott los, nach zwei Powerplays und einem Tor, von dem keiner so recht wusste wie es entstanden war, führte Deutschland zirka fünf Minuten vor Schluss mit 6:3. Dann kam die grosse Zeit für den Tschechen Robert Blaha, er war eben mal fix an vier Toren beteiligt, so dass es plötzlich zwei Minuten vor Spielende 6:7 für die Tschechen stand. Von deutscher Seite kamen dann nur ein paar Soloversuche, Mannschaftsspiel war keines mehr zu erkennen, und eine halbe Minute vor Abpfiff noch zwecks Frustabbau ein kleiner Faustkampf vor dem deutschen Tor. Die Schiris meinten es aber gut mit den unsrigen und sprachen keine Strafen mehr aus. Also Endstand, verloren mit 6:7.

12.07.04 Es ist ein weiterer Tag bei der WM vollbracht, heute war ein Mammutprogramm zu absolvieren, teilweise kam ich mir vor wie beim zappen im TV: erst ein Spiel in Halle A, in den Pausen schnell rüber für 10 Minuten das Spiel in Halle B sehen, wieder zurück, und das den ganzen Tag. Auf dem Programm standen

  • Australien : Argentinien - 11:4
  • Neuseeland : Brasilien - 5:7
  • Tschechen : Österreich - 2:3
  • Ungarn : Belgien - 9:4
  • USA : Slowenien - 6:3
  • Grossbrit. : Japan - 7:4
  • Slowakei : Schweden - 1:9

    Bei der Fülle an Spielen blieb natürlich nicht so viel an Erinnerungen hängen, daß es für detaillierte Spielberichte reichen würde, wird wohl eh keiner lesen das Ganze ;-) Die Überraschung des Tages war wohl der Sieg der Österreicher gegen die Tschechen. Ich muss zugeben, dass ich den Ösis die Daumen gedrückt habe, obwohl ich als Halb-Bayer diese eigentlich als Urmenschen ansehen sollte.
    Beim Spiel der USA gegen Slowenien konnte man anschaulich sehen, dass auch ein Carbonschläger gut brechen kann, das natürlich wenn man gerade einschussbereit vor dem Tor steht und der Goalie eigentlich schon geschlagen ist. Aber da dieses Missgeschick einem Amerikaner widerfuhr, sah ich das eher mit etwas Schadenfreude.
    Als Prominenter des Tages liefen mir heute Schorsch Holzmann ( Ex-Preusse und jetziger Inline-Nationaltrainer ) und Dirk Perschau über den Weg, den Insider aus dem Wellblechpalast kennen dürften. Ansonsten nix aufregendes heute, außer dem 2-stündigen Stromausfall in ganz Bad Tölz - das Unwetter hatte 2 Masten zerlegt. Die Zuschauerzahlen hielten sich auch in Grenzen, maximal 200 Leute, na ja Deutschland hatte heut auch spielfrei. Heute zum einschlafen mal kein Weissbier, sonst werde ich noch zum Alkoholiker, heute gibt´s zur gemütlichen Night-Poker-Runde einen schönen schweren Rotwein. Gut dass die Spiele immer erst 14 Uhr beginnen...

    13.07.04 Bad Tölz meldet sich mit den neuesten Meldungen:
    Heute ein eher lockeres Programm, zuerst Ungarn gegen Japan: Eigentlich war ich ja dort um Japan lautstark zu unterstützen, aber von zwei Schönheiten, Feen gleichend, liess ich mich gerne überzeugen doch eher Ungarn zu supporten. Wie sollte man da widerstehen, insbesondere da eine der beiden auch gebürtige Ungarin war. Die Magyaren führten souverän mit 4:2, dann versuchten es die Japaner 30 Sekunden vor Abfiff noch ohne Goalie, schafften aber in dieser kurzen Zeitspanne nur noch den Anschlusstreffer, somit Endstand 4:3 für Ungarn. Zuschauer waren etwa 30 in der Halle. Ein krasser Gegensatz zum nächsten Spiel, dann ging es rüber in Halle 1, zum Derby Österreich : Deutschland.
    Dort fand man etwa 1600 Leute vor, dementsprechendder Geräuschpegel. Die Deutschen schafften auch relativ locker einen 2:5 Sieg. Etwas anderes hätte das grösstenteils bayerische Publikum wohl auch schwer akzeptieren können. Einzige Aufregung des Spieles eine Massenschlägerei, kurz vor Ende der zweiten Viertelpause. Somit saßen dann 7 Österreicher und 6 Deutsche auf der Strafbank, da auch noch Spieler von der Bank dazu kamen, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollten. Beim Spiel auch anwesend übrigens der Zach Hans, na ja er wohnt ja auch in Tölz, vielleicht war er auf der Suche nach neuen Spielern für die Haie.
    Morgen kommt kein Spielbericht, da ist Ruhetag, sind eh nur 2 Spiele und das auch noch unwichtige um 4. Plätze.

    15.07.04 Am heutigen Tag konnte ich endlich zum ersten Mal bei dieser WM mal einen Shut-out bewundern. Am Dienstag schon von meinen beiden Elfen für das nächste Ungarn-Spiel verpflichtet, stellte ich meine Stimme wieder zur Verfügung. Unser Beispiel am Dienstag hatte anscheinend Schule gemacht, jetzt bestand der ungarische Fanblock schon aus sieben Leuten, da sich noch vier ungarische Arbeiter anschlossen.
    Das Spiel lief eigentlich immer nur in eine Richtung, und zwar in Richtung Neuseeländisches Tor, was sich im Endeffekt in einem 10:0 Sieg der Ungarn niederschlug. Dann natürlich noch Gruppenbild, bestehend aus: ungarischem Keeper, einer der beiden Grazien, und mir als offiziellem Vertreter der Potsdam Lions bei der WM.
    Danach der übliche Wechsel in die andere Halle zu USA : Österreich Bei diesem Spiel auch mal eine neue Konstellation, was meine seelische Verfassung angeht, ansonsten wünscht man ja immer einem Team den Sieg, aber in diesem Falle, kann ich weder die Amis noch die Ösis unterstützen, man trennte sich ja dann auch erst nach dem Penalty-Schiessen. 6:5 nach PS für die USA. Deutschland entschied das Viertelfinale des A-Pools gegen die Slowaken mit 6:3.
    Am Rande der Bande: juhu, ich musste heute das erste Autogramm schreiben bei dieser WM, und das obwohl ich hier nun schon seit fünf Tagen abhänge. Also der Name Potsdam Lions ist jetzt auch im Bayerischen Oberland ein Begriff, zumindest schon mal zwei weiblichen NEU-Hockey-Fans.
    Hiermit verabschiede ich mich von der diesjährigen Inlinehockey-Weltmeisterschaft in Bad Tölz, jetzt geht´s noch ein paar Tage zum relaxen in den wunderschönen Chiemgau. Viele Grüsse über diesen Weg auch noch an Anikó, Maria und Stefan, die mich von den Ungarn überzeugten und besonders an Anikó, die mir einige ungarische Schlachtrufe beibrachte. Ihr seid mir alle auch in Berlin willkommen.